Aktienquote nach Alter anpassen: So funktioniert der Glide Path
Wer mit 30 und mit 60 dieselbe Aktienquote im Portfolio hält, macht an einer Stelle einen Fehler. Welcher der beiden es ist, hängt von den Umständen ab — doch es gibt keinen guten Grund, warum beide Quoten identisch sein sollten.
Wer mit dem Investieren beginnt, lernt zunächst Zinseszins, Diversifikation und Indexfonds. Was dabei häufig fehlt, ist die Frage: Ab wann kauft man überhaupt Anleihen? Erst nach einigen Jahren taucht die Frage auf, die wirklich beschäftigt: Ist die Quote, die ich halte, für mein Alter überhaupt noch angemessen?
Dieser Artikel gibt eine strukturierte Antwort — das Prinzip (warum das Alter als Maßstab dient), die Zahlen (wie stark man umschichten sollte) und die Umsetzung (wie es in der Praxis funktioniert). Wer zunächst die Grundlagen der Vermögensaufteilung auffrischen möchte, findet in unserem Leitfaden zur Asset-Allokation eine strukturierte Einführung.
Was ist ein Glide Path?
Ein Glide Path ist eine Kurve, die die Anteile von Aktien (höheres Risiko) und Anleihen (niedrigeres Risiko) im Portfolio mit zunehmendem Alter schrittweise anpasst. Das Wesentliche ist das Wort schrittweise — kein abrupter Wechsel, sondern eine kontinuierliche Richtungskorrektur Jahr für Jahr. Corporate Finance Institute beschreibt den Glide Path als „eine Struktur zur zeitlichen Steuerung des Risikoengagements entsprechend den Lebenszielen eines Investors.”
Ein konkretes Referenzbeispiel liefern die Target-Date-Fonds (TDF) von Vanguard:
| Alter | Aktienquote (Näherungswerte) |
|---|---|
| 25 | 90 % |
| 40 | 90 % |
| 50 | ca. 75 % |
| 55 | ca. 65 % |
| 60 | ca. 55 % |
| 65 (Renteneintritt) | ca. 50 % |
| 72 | ca. 30 % |
Hinweis: Für die Altersgruppe 25–40 hat Vanguard offiziell „keine Änderung” angegeben. Die Werte für die nachfolgenden Altersstufen sind Näherungswerte auf Basis öffentlich zugänglicher Informationen.
Bemerkenswert ist, dass die Aktienquote bis zum Alter von 40 unverändert bei 90 % verbleibt. Das ist eine überraschend lange Angriffsphase. Der Grund hierfür ergibt sich aus dem nächsten Abschnitt.
Ein praktischer Hinweis vorweg: Die Richtung ist wichtiger als die exakte Zahl. Ob die Aktienquote mit 55 Jahren bei 65 % oder 68 % liegt, ist weniger entscheidend als die Tatsache, dass sie geringer ist als mit 30 — und weiter sinkt.
Warum das Alter als Maßstab gilt — Humankapital und Zeithorizont
Junge Menschen haben in ihrem monatlichen Gehalt bereits eine Art „verborgene Anleihe” im Portfolio.
Nach der Humankapitaltheorie von Merton (1971) ähneln künftige Arbeitseinkommen in ihrer Stabilität einer Anleihe. Ein Grundsatzpapier der US-Sozialversicherungsbehörde (SSA) fasst diese Logik zusammen: Junge Anleger können einen hohen Aktienanteil im Finanzportfolio halten, weil ihr Humankapital bereits anleiheähnliche Stabilität ins Gesamtvermögen einbringt.
Mit zunehmendem Alter dreht sich dieser Mechanismus um. Das Arbeitseinkommen geht zurück, das Finanzkapital wächst, und die „verborgene Anleihe” verschwindet. Um das Risikogleichgewicht im Gesamtvermögen zu erhalten, muss diese Lücke durch tatsächliche Anleihen geschlossen werden.
Der Zeithorizont verstärkt diesen Effekt. Mit 25 Jahren hat man nach einem Börseneinbruch 40 Jahre Zeit zur Erholung. Mit 65 kann ein Einbruch in kurzer Zeit erzwingen, dass Anteile zu ungünstigen Kursen verkauft werden müssen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Die durchschnittliche Lebenserwartung in Industrieländern liegt derzeit bei etwa 76 Jahren für Männer und 82 Jahren für Frauen (Schätzungen 2024; regional unterschiedlich) — wer mit 65 in Rente geht, benötigt ein Vermögen, das noch 25 bis 30 Jahre trägt.
Auch die Jobsicherheit spielt eine Rolle. Wer ein stabiles, langfristiges Einkommen hat, verfügt über stärkeres anleiheähnliches Humankapital und kann im Finanzportfolio folgerichtig eine etwas höhere Aktienquote halten.
Die 100/110/120-Regeln — Brauchbare Ausgangspunkte mit Grenzen
Die „Alter abziehen”-Regeln sind als Einstiegspunkt nach wie vor nützlich. Welche der drei Varianten am besten passt, hängt jedoch von den persönlichen Umständen ab.
| Alter | Regel 100 (konservativ) | Regel 110 (moderat) | Regel 120 (offensiv) |
|---|---|---|---|
| 25 | 75 % | 85 % | 95 % |
| 30 | 70 % | 80 % | 90 % |
| 40 | 60 % | 70 % | 80 % |
| 50 | 50 % | 60 % | 70 % |
| 60 | 40 % | 50 % | 60 % |
| 70 | 30 % | 40 % | 50 % |
| 75 | 25 % | 35 % | 45 % |
Die „100er-Regel” entstand in einer Zeit, als Anleiherenditen attraktiv und die Lebenserwartung kürzer waren. Mit steigender Lebenserwartung und sinkenden Zinsen haben Praktiker diese Zahl auf 110 und schließlich 120 angehoben. Vanguard-Gründer John Bogle sprach sich bekanntermaßen für die 120er-Regel aus.
Der Blick auf die historischen Daten unterstreicht dies. Auf Basis von US-Daten von 1928 bis 2025 (NYU Stern Damodaran) erzielten Aktien (S&P 500 inkl. Dividenden) eine jährliche CAGR von rund 9,8 %, zehnjährige Staatsanleihen hingegen nur etwa 5,2 %. Über einen Rentenzeitraum von 25 bis 30 Jahren die Inflation allein mit Anleihen zu schlagen wird dabei zunehmend schwieriger.
Wichtige Einschränkung: Diese Regeln berücksichtigen weder Risikobereitschaft, Einkommensstabilität, Schuldenlast noch Sachwerte. In der Fachliteratur werden sie durchgängig als „Ausgangspunkte” bezeichnet — nicht als verbindliche Vorgaben. Wer unsicher ist, kann Regel 110 als neutralen Mittelwert nehmen und dann je nach individuellen Variablen ±5–10 Prozentpunkte anpassen.
Wichtiger Hinweis für Anleger im EU-Raum: US-amerikanische ETFs wie VOO oder VTI können von Privatanlegern in der EU aufgrund der PRIIPs-Verordnung in der Regel nicht direkt erworben werden. Als Alternative stehen UCITS-konforme ETFs zur Verfügung, etwa auf den S&P 500 oder breite globale Aktienindizes. Die Prinzipien des Glide Path gelten unabhängig davon, welches Vehikel verwendet wird.
„To” oder „Through” — Die Rente ist kein Endpunkt
Eine häufig übersehene Frage bei der Wahl eines Glide Path lautet: Hört man auf, die Aktienquote zu senken, sobald man in Rente geht — oder setzt man diesen Prozess danach fort?
- „To”-Ansatz: Die Aktienquote erreicht am Renteneintritt ihr Minimum und bleibt dort fixiert.
- „Through”-Ansatz: Die Aktienquote wird auch nach Renteneintritt über weitere 7 bis 10 Jahre hinweg weiter gesenkt.
Vanguards TDFs verwenden den „Through”-Ansatz: Aktienquote bei Renteneintritt ca. 50 %, bis zum Alter von 72 ca. 30 %. T. Rowe Price fährt einen noch langsameren Abstieg bis zum Alter von 95 und hält dabei eine Aktienquote, die rund 5 Prozentpunkte über dem Branchendurchschnitt liegt. Fidelity Freedom Funds starten bei ca. 51 % Aktienanteil und können bis auf 19 % sinken.
Wer mit 65 in Rente geht und 90 wird, hat 25 Jahre zu finanzieren. Ein Portfolio, das sich vollständig aus Anleihen zusammensetzt, wird durch Inflation schleichend entwertet. Der „Through”-Ansatz akzeptiert kurzfristige Schwankungen, um langfristiges Wachstumspotenzial zu erhalten. Wer über stabile Renteneinkünfte verfügt, die mehr als 60 % der Lebenshaltungskosten abdecken, kann den „Through”-Ansatz mit mehr Spielraum verfolgen.
Das gefährlichste Zeitfenster — Sequence-of-Returns-Risiko
Hier wird der Ton bewusst sachlich gehalten, denn es geht um eine wesentliche Risikokomponente.
Wann Verluste auftreten, ist wichtiger als wie groß sie sind. Forschungen von Wade Pfau zeigen, dass die Renditen in den ersten zehn Rentenjahren etwa 77 % des endgültigen Portfoliowerts bestimmen. Dieses Phänomen wird als Sequence-of-Returns-Risiko (SOR) bezeichnet. Eine ausführliche Erklärung mit konkreten Gegenmaßnahmen liefert unser Artikel zum Renditereihenfolge-Risiko im Ruhestand.
Der Mechanismus: Im Ruhestand werden laufend Anteile verkauft, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Bei fallenden Kursen erfolgt dieser Verkauf zu ungünstigen Preisen. Die einmal verkauften Anteile nehmen an der Erholung des Marktes nicht mehr teil. In der Erwerbsphase arbeitet die Zeit für den Anleger. Im Ruhestand, bei fortlaufenden Entnahmen, kann sie zum Nachteil werden.
Pfau und Kitces (2014) entwickelten auf Basis dieser Erkenntnis eine unkonventionelle These: Ein „aufsteigender Glide Path” — mit einer niedrigen Aktienquote von 20–40 % zu Rentenbeginn, die schrittweise auf 60–80 % erhöht wird — kann im Vergleich zum traditionellen absteigenden Ansatz sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch das Ausmaß einer Portfolioerschöpfung reduzieren (Annahme: 4 % jährliche Entnahme, basierend auf US-historischen Daten). Die Übertragbarkeit auf Nicht-US-Märkte ist nicht umfassend belegt. Dieser Ansatz sollte als konzeptioneller Denkrahmen verstanden werden, nicht als allgemeingültige Empfehlung.
In der Praxis empfiehlt es sich, die Aktienquote in den fünf Jahren vor Renteneintritt bewusst zu reduzieren und zwei bis drei Jahresbedarfe an Lebenshaltungskosten in Anleihen oder kurzlaufenden Instrumenten vorzuhalten. So vermeidet man, in einem Marktabschwung zur Deckung laufender Ausgaben Aktien zu Tiefstpreisen verkaufen zu müssen.
Gleiche Alter, unterschiedliche Quoten — Persönliche Variablen
Das Alter ist der Ausgangspunkt, nicht der Schlusspunkt. Abhängig von den individuellen Umständen kann eine Abweichung von 10 bis 20 Prozentpunkten von den Standardregeln sachlich begründet sein. Wie man die eigene Risikotoleranz objektiv einschätzt, wird in einem separaten Leitfaden ausführlich erläutert.
| Variable | Aktienquote erhöhen | Aktienquote senken |
|---|---|---|
| Beschäftigungsstabilität | Festes, langfristiges Anstellungsverhältnis | Selbstständig / freiberuflich |
| Sonstiges Einkommen | Betriebliche Rente, Mieteinnahmen | Ausschließlich Portfolioentnahmen |
| Schulden | Keine oder niedrigverzinsliche | Hochverzinsliche Verbindlichkeiten |
| Unterhaltspflichten | Wenige oder keine | Mehrere Unterhaltsberechtigte |
| Gesundheit / Lebenserwartung | Gute Gesundheit, Langlebigkeit in der Familie | Gesundheitliche Unsicherheiten |
| Ausgabenflexibilität | Kosten können bei Bedarf gesenkt werden | Hohe Fixkosten |
Das 60/40-Portfolio hat langfristig Bestand gehabt. Laut einer Studie des CFA Institute (2025) erzielte eine 60/40-Allokation von 1928 bis 2022 eine nominale Jahresrendite von rund 8–9 % und schloss in etwa 80 % aller Jahre im Plus. Gleichzeitige Rückgänge bei Aktien und Anleihen traten in 95 Jahren lediglich viermal auf: 1931, 1941, 1969 und 2022. Aus dem Jahr 2022 allein weitreichende Schlüsse über das Ende des 60/40-Portfolios zu ziehen, greift zu kurz.
Regel-110 bietet einen sinnvollen Mittelweg. Von dort aus lässt sich mit den oben genannten Variablen eine fundierte Anpassung vornehmen.
Wie viel macht die Regelwahl wirklich aus? Eine Szenarioanalyse
Die obige Tabelle zeigt Aktienquoten — doch wie viel Unterschied machen diese Regeln tatsächlich bei der realen Kaufkraft? Die Antwort hängt stark davon ab, wie früh man beginnt.
Die folgende Tabelle zeigt, wie ein auf 100 indexiertes Portfolio bis zum Alter von 65 unter jeder Regel wächst — bei drei verschiedenen Startaltern. Annahmen (illustrativ): Aktienrendite 7 % pro Jahr real, Anleiherendite 2 % pro Jahr real. Jährliches Rebalancing auf die Glide-Path-Zielallokation. Keine Einzahlungen oder Entnahmen während der Ansparphase. Dies sind vereinfachte Rechenszenarien, keine Prognosen.
| Startalter | Regel 100 (konservativ) | Regel 110 (moderat) | Regel 120 (offensiv) |
|---|---|---|---|
| 30 Jahre (35 Jahre Laufzeit) | 4,91× | 5,80× | 6,84× |
| 40 Jahre (25 Jahre Laufzeit) | 2,93× | 3,31× | 3,72× |
| 50 Jahre (15 Jahre Laufzeit) | 1,84× | 1,98× | 2,12× |
Annahmen: 7 % reale Jahresrendite Aktien, 2 % reale Jahresrendite Anleihen. Jährliches Rebalancing. Startindex = 100. Nur zur Veranschaulichung — keine Prognose.
Zwei Erkenntnisse stechen heraus. Erstens ist der Abstand zwischen der konservativsten und der offensivsten Regel keineswegs marginal: Wer mit 30 beginnt, erzielt mit Regel 120 nach 35 Jahren einen um 39 % höheren realen Endwert als mit Regel 100. Bei einem Start mit 50 Jahren schrumpft dieser Unterschied auf nur noch 15 % — weil weniger Zeit bleibt, um die Aktienprämie aufzuzinsen. Genau deshalb empfehlen Fachleute für Anleger mit langem Zeithorizont durchgängig Regel 110 oder 120 statt Regel 100.
Zweitens ist die Regelwahl weit weniger entscheidend als ein früher Start. Ein Anleger, der mit 30 Jahren nach Regel 100 beginnt (4,91×), übertrifft deutlich jemanden, der erst mit 40 Jahren nach Regel 120 startet (3,72×). Keinen Regelwechsel kann einen Jahrzehnt verpassten Zinseszinseffekt ausgleichen.
Target-Date-Fonds — Den Glide Path automatisieren
Wer die manuelle Anpassung der Allokation alle paar Jahre vermeiden möchte, kann auf Target-Date-Fonds (TDF) zurückgreifen. Man wählt ein Zielrentenjahrgang, und der Fonds setzt den Glide Path intern automatisch um.
Wichtiger Hinweis: US-amerikanische TDF-ETFs fallen unter die PRIIPs-Verordnung und sind für Privatanleger in der EU in der Regel nicht direkt erwerbbar. Im EU-Raum stehen stattdessen UCITS-konforme Multi-Asset-Lifecycle-Fonds zur Verfügung, die ähnliche Glide-Path-Strategien verfolgen. Diese werden von verschiedenen europäischen Fondsanbietern angeboten.
Beim Vergleich von Fonds lohnt sich ein Blick auf den jeweiligen Glide Path: Vanguard hält bei Renteneintritt ca. 50 % Aktien, T. Rowe Price ca. 55 %, Fidelity ca. 51 %. Entscheidend ist zudem, ob der Fonds dem „To”- oder dem „Through”-Ansatz folgt — die Aktienquote im zehnten Rentenjahr kann je nach Anbieter erheblich differieren.
Rebalancing — Einmal jährlich reicht
Selbst bei einem festgelegten Glide Path werden Marktbewegungen die Gewichtung im Portfolio verschieben. Rebalancing bringt die Allokation wieder auf das Ziel zurück.
Vierstufiger Prozess:
- Ziellokation festhalten (Beispiel: Alter 40 — 70 % Aktien, 30 % Anleihen)
- Einmal jährlich oder bei Abweichung von ±5 Prozentpunkten vom Zielwert prüfen
- Übergewichtete Positionen reduzieren, untergewichtete aufstocken
- Alle fünf Jahre die Zielallokation entsprechend dem Glide Path eine Stufe absenken
Rebalancing bedeutet im Kern: Was gestiegen ist, verkaufen — was gefallen ist, kaufen. Das fühlt sich ungewohnt an. Für gewöhnlich ist das ein Zeichen, dass man es richtig macht.
Eine praktische Ergänzung: Werden neue Mittel in das Portfolio investiert, sollten diese gezielt in die untergewichtete Anlageklasse fließen. So lässt sich die Gewichtung ohne Verkäufe korrigieren — mit entsprechend geringeren Transaktionskosten und steuerlichen Auswirkungen.
Zusammenfassung
□ Glide Path = schrittweise Senkung der Aktienquote mit zunehmendem Alter (kein abrupter Wechsel)
□ Warum junge Anleger hohe Aktienquoten halten können: Arbeitseinkommen wirkt als "verborgene Anleihe"
□ Ausgangspunkte: Regel 100 (konservativ) / Regel 110 (moderat) / Regel 120 (offensiv) — keine davon ist blind zu befolgen
□ Anpassungsintervall: alle 5 Jahre oder bei ±5 Prozentpunkten Abweichung vom Zielwert
□ Die 5 Jahre vor und nach Renteneintritt = höchstes Sequence-of-Returns-Risiko. Aktienquote in diesem Zeitraum sorgfältig steuern
□ „To" vs. „Through": Bei Langlebigkeitsrisiko bietet „Through" mehr Puffer
□ Persönliche Variablen (Beschäftigungsstabilität, sonstiges Einkommen, Schulden, Unterhaltspflichten) ±10 %p einberechnen
□ Bei TDF-Auswahl: Glide-Path-Unterschiede zwischen Anbietern prüfen
□ EU-Anleger: US-ETFs aufgrund PRIIPs nicht direkt erwerbbar — UCITS-Alternativen nutzen
□ Einmal jährlich rebalancieren oder neue Einzahlungen in untergewichtete Anlageklassen lenken
□ Keine Regel blind befolgen — wer das Prinzip versteht, kann die Formel an die eigene Situation anpassen
□ Regelwahl-Unterschied: Regel 120 erbringt bei Start mit 30 Jahren ca. 39 % mehr realen Endwert als Regel 100; bei Start mit 50 Jahren nur noch 15 %. Früher Start schlägt jeden Regelwechsel
Eine perfekte Quote gibt es nicht. Aber die richtige Richtung einzuschlagen und sie Jahr für Jahr schrittweise anzupassen — das ist ein tragfähiger Ansatz. Wie viel man im Ruhestand jährlich entnehmen kann, erklärt unser Artikel zur 4%-Regel und realistischen Alternativen.
Häufige Fragen
F. Was ist ein Glide Path beim Investieren?
Ein Glide Path ist eine Strategie, bei der der Aktienanteil im Portfolio mit zunehmendem Alter schrittweise zugunsten von Anleihen reduziert wird. Statt einer abrupten Umschichtung erfolgt die Anpassung kontinuierlich Jahr für Jahr. Ziel ist es, das Portfoliorisiko dem schrumpfenden Zeithorizont anzupassen, während der Ruhestand näher rückt.
F. Was ist die 100-minus-Alter-Regel und gilt sie noch?
Die 100-minus-Alter-Regel empfiehlt, einen Aktienanteil in Höhe von 100 minus dem eigenen Alter zu halten. Sie stammt aus einer Zeit hoher Anleiherenditen und kürzerer Lebenserwartung. Aufgrund gestiegener Lebenserwartung und niedrigerer Zinsen verwenden viele Praktiker heute die 110- oder 120-minus-Alter-Variante. Alle drei Regeln sollten nur als Ausgangspunkt, nicht als verbindliche Vorgabe, verstanden werden.
F. Sollte ich im Ruhestand noch Aktien halten?
Ja, für die meisten Rentner bleibt ein gewisser Aktienanteil sinnvoll. Wer mit 65 in Rente geht und 90 wird, muss 25 Jahre finanzieren. Ein rein anleihebasiertes Portfolio wird in dieser Zeit schleichend durch Inflation entwertet. Der Through-Ansatz senkt den Aktienanteil auch nach Renteneintritt noch über 7 bis 10 Jahre weiter und erhält so ein gewisses Wachstumspotenzial.
F. Was ist der Unterschied zwischen To- und Through-Glide-Path?
Ein To-Glide-Path erreicht seine minimale Aktienquote am Renteneintrittstag und hält sie dann konstant. Ein Through-Glide-Path senkt die Quote auch nach Renteneintritt noch über 7 bis 10 Jahre weiter ab. Vanguards Zieldatumsfonds nutzen den Through-Ansatz und gehen von etwa 50 % Aktien mit 65 auf rund 30 % mit 72 Jahren zurück. Bei hohem Langlebigkeitsrisiko und fehlendem stabilem Renteneinkommen bietet Through in der Regel mehr Sicherheitspuffer.
F. Wie oft sollte ich mein Portfolio neu gewichten?
Einmal jährlich reicht für die meisten Anleger. Eine bewährte Faustregel: jährlich prüfen oder sobald die tatsächliche Allokation um mehr als 5 Prozentpunkte vom Zielwert abweicht. Häufigeres Rebalancing erhöht meist nur die Transaktionskosten ohne nennenswerten Mehrwert. Neue Einzahlungen gezielt in die untergewichtete Anlageklasse zu lenken stellt die Balance wieder her, ohne Verkäufe zu erfordern.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Alle Anlageentscheidungen und ihre Konsequenzen liegen in der Verantwortung des Lesers.